19.03.2010 - Die CD-Tipps von Bongartz Musik im März

Liebe Musikfreunde,

heute, am späten Nachmittag ist es soweit: ab 17:30 Uhr sind Mulo Francel und Evelyn Huber von Quadro Nuevo bei uns zu Gast und präsentieren ihr wunderbares neues Album "Songs of Spices" im Laden. Wir freuen uns sehr euch bei einem Glas Prosecco zu dieser einzigartigen CD-Präsentation begrüßen zu können. Don't miss it!

Apropos Prosecco, den Termin für unsere zweite Soul Wine Lounge am 17. April habt ihr euch mit Sicherheit schon rot im Kalender angestrichen :-)Um besser planen zu können, freuen wir uns über Anmeldungen bei uns oder natürlich auch bei vinisüd - Import feiner Weine in der Konrad-Zuse-Str. 20.

Und wenn ihr immer denkt: "Ich würd' ja gern, aber die Zeit...", am Sonntag ist 'Erlanger Frühling' und wir sind von 13:00 - 18:00 Uhr für euch da, so dass ihr in aller Ruhe Musik genießen und stöbern könnt. Wir freuen uns auf euch.

Und nun zu unseren Empfehlungen diese Woche

beste Grüße und ein musikalisches Wochenende
Peter Bongartz mit Todde Jarks und Andreas Schemm

Manu Katche "Third Round"
Drittes 'Solo'-Werk des Meistertrommlers
Manu Katché ist ein Meister des Grooves, wegen der Dinge, die er spielt und vor allem wegen der Dinge, die er nicht spielt. So überrascht es kaum, dass auch sein drittes Album unter eigenem Namen keine Trommelvorführung ist, sondern mit wunderbaren Jazzkompositionen des in Paris lebenden Schlagzeugers glänzt. "Als ich den Kollegen vor der Aufnahme die Demos mit den Noten dazu präsentierte, erkannten sie manches Eigene wieder. Ohne sie imitieren zu wollen, habe ich ihnen die Sachen förmlich in die Finger geschrieben", sagt Kaché. Das Ergebnis ist ein grandioser Mix aus lockeren Grooves, entspanntem Funk, edlem Pop und atmosphärischem Jazz so souverän wie entspannt lässig. Eingespielt wurde "Third Round" mit Manu Katchés internationalen Dreamteam: Jason Rebello (p) und Pino Palladino (b), mit denen Katché gemeinsam in Stings Band spielt, Kami Lyle aus Boston an der Trompete und bisweilen singend und den beiden Norwegern Tore Brunborg (sax) und Jacob Young (g), die er in der "Labelfamilie" ECM kennengelernt hatte. "Diesmal wollte ich wirklich etwas Anderes machen. Sobald man auch elektronische Texturen einbringt, um die Musik zum Fließen und Schweben zu bringen, kommt auch alles andere in Bewegung." meint Katché. Das ist ihm mehr als gelungen: Der klare und dichte Bandsound, die guten Kompositionen und diese unglaublich entspannte Spielart machen "Third Round" zum Jazzalbum des kommenden Frühlings.

Zeebee "Be My Sailor"
Wird das dritte Album endlich ihr Durchbruch?
Bislang war die Österreicherin Zeebee nur eingefleischten Hörern ein Begriff - eben jenen, die sich gerne in den Tiefen der gehobeneren Loungemusik wohlfühlen, jenen, die einen Parov Stelar oder (Klaus) Waldeck zu ihren Lieblingen zählen. Letzterer zeichnet sich für die hervorragende Produktion dieses Albums verantwortlich, womit der musikalische Weg bereits angedeutet ist. Egal ob man jetzt einen Café au lait in Paris schlürft oder doch einen Einspänner mit Blick auf den Prater genießt, die musikalische Luft ist immer ein wenig versetzt mit Kaffeehausstimmung. Allerdings erzeugt Zeebee mit ihrem ziemlich markanten, zauberhaften Klang noch viel mehr. Es umschmeichelt diese manchmal gehauchte, manchmal brüchige Stimme ein gewisses Prickeln, was im Zusammenhang mit dem Cover und dem Titel gerne auch in verr(a)uchten Nachtclubs zu finden ist. Und trotz dieser leicht morbiden Stimmung aus alten Schwarz Weiß Filmen, die durch die Lieder weht, bleibt der Sound insgesamt zeitgenössisch und sehr groovy. Mal oppulent, fast orchestral, dann mal reduziert auf Bass, Schlagzeug und Akkordeon, aber im Fokus immer diese fein vibrierende Stimme. Ein äußerst charmantes Werk.

Black Rebel Motorcycle Club "Beat The Devil's Tattoo"
Tiefer liegende Gitarren par excellence
Ob das nun Indie- oder Stonerrock ist, darüber soll jemand anders streiten. Die Musik spricht für sich und sollte Fans beider Lader begeistern. Mit neuer Schlagzeugerin (Leah Shapiro, Ex-Raveonettes) aber immer noch in schwarzen Lederjacken und mit einer Coolness, die ihrem, aus Marlon Brandos "The Wild One"-Motorradgang adaptierten Namen entspricht, liefert das Trio ein Album, das ihre ganze Spannbreite äußerst spielfreudig und souverän abdeckt. Beinharter, rauer und Blues-orientierter Indierock, der nicht bedeutungsschwanger, sondern direkt und ohne Umschweife daherkommt plus immer noch leichte Einflüsse ihres 'Folk'-Albums "Howl". Hier wird nichts neu erfunden, das aber in absoluter Konsequenz und unbändiger Energie gespielt. Mit Verlaub, besser kann Rock'n'Roll dieser Gangart im Jahr 2010 nicht klingen. Für die schnellen unter euch haben wir natürlich die limierte Version mit zwei Extra-Songs auf Lager!

Moreland & Arbuckle "Flood"
Powerblues auf der Zigarrenbox
Nachdem dieses Trio aus Wichita, Kansas schon drei Alben im Eigenvertrieb veröffentlicht hat, gab es nun für die vierte Veröffentichung den lange verdienten Plattenvertrag. Gitarrist Aaron Moreland spielt neben Gitarren eine Cigar-Box-Guitar: vier Seiten über eine Zigarrenkiste, die tiefste Bass dazu drei Gitarrensaiten. Das ganze wird mit Bottleneck gespielt und liefert ein Mördergitarrenbrett. Dazu Dustin Arbuckle an Harp und Gesang und Brad Horner am Schlagzeug, auf eine Bass verzichtet das Trio dank der Cigar-Box. Das Ergebnis ist eine High Energy Blues, der sowohl Little Walter oder Sonny Boy Williamson als auch Gov't Mule oder den North Mississippi Allstars die Tränen in die Augen treiben würde. Zehn Eigenkompositionen und drei Cover (herausragend " The Legend Of John Henry"), dabei kein Ausfall und eine ungeheure Spielfreude und Energie: Vielleicht jetzt schon das Bluesalbum des Jahres.

Ali Farka Toure & Toumani Diabate "Ali And Toumani"
Aus dem Nachlass des großen Afro-Blues-Musikers
Zweifacher Grammy-Gewinner, einer der bekanntesten Musiker Malis, gar "der Bluesman Afrikas": Der 2006 an Knochenkrebs verstorbene Ali Farka Touré darf mit Recht als Weltmusik-Legende gelten. Als er zusammen mit dem Kora-Meister Toumani Diabeté 2005 "In The Heart Of The Moon" veröffentlichte urteilte Mojo " The most beautiful music on earth" und auch den Grammy erhielten die beiden damals völlig zu Recht. Dass wir nun trotz des zu frühen Todes von Ali Farka Touré einen Nachfolger genießen dürfen, liegt an Diabaté. Er hatte während der 2005er-Europatour der beiden drei Tage Aufnahmezeit in einem Londoner Studio gebucht. Mit dabei: Produzent Nick Gold, der auch schon "In The Heart ..." produzierte, sowie der 2009 gestorben kubanische Bassist Orlando Cachaíto López (Buena Vista Social Club). Das Ergebnis dieser Session erleben wir auf "Ali and Toumani". Die Musik des Albums wirkt spontan, intim, me ditativ und improvisiert, ist wie etwa das Stück "Fantasia" gar von Touré im Studio aus dem Stegreif komponiert worden. Gleichzeitig wirken die beiden eingespielter, ein Kennen und Vertrauen, das den Dialog auf "Ali and Toumani" sehr positiv beeinflusst. "Ich glaube, dieses Album ist stärker und klüger" meint Diabaté selbst, in jedem Fall ist es ein echter Hörgenuss.

Johannes Brahms Anne-Sophie Mutter "Violinsonaten"
Die Meistergeigerin begegnet auf's neue den Brahms Sonaten

Klassik Tipp
Sie spielen schon seit mehr als 20 Jahren zusammen und auch die drei Sonaten für Klavier und Violine haben Anne-Sophie Mutter und Lambert Orkis schon mehrfach live gespielt. Nun sind es sozusagen gereifte Früchte, die geerntet und als Klangdokument verewigt werden. Und genau das ist es, was Mutters neues Album zu so etwas besonderen macht. Anne-Sophie Mutter hatte diese Sonaten in den 80er-Jahren schon einmal aufgenommen, damals mit Alexis Weissenberg. Die Reife und Intimität dieser neuen Aufnahme gibt ihr Recht, dass die Zeit für eine Neueinspielung reif war. Anne-Sophie Mutters technische Meisterschaft ist zwar bewundernswert, aber inzwischen natürlich erwartbar. Der private Tonfall dieser Aufnahme aber, die Innigkeit, mit der hier musiziert wird, erfüllen Brahms Sonaten mit neuem Leben. Wie Liebesbriefe, von zarter Hand geschrieben. "Die G-Dur Sonate ist vielleicht das privateste der drei Werke.", erzählt die Violinistin. " ;Brahms hat dieser Sonate das Thema seines von Clara Schumann so geliebten Regenlieds zugrunde gelegt, und dieses punktierte Thema zieht sich wie ein roter Faden durch alle drei Sätze. Clara hatte gerade ein Kind verloren, und ihr Sohn Felix hatte Tuberkulose. Es ging ihr also sehr schlecht, und Brahms schrieb diese Sonate, um sie zu trösten". Auch 130 Jahre nach seiner Fertigstellung hat das Stück nichts von diesem Trost verloren.

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