26.04.2010 - Die CD-Tipps von Bongartz Musik im April
Was für ein schöner Einstieg in ein Frühlingswochenende war das letzten Samstag. Vielen Dank nochmal an alle, die sich auf dieses spannende Experiment gemeinsam mit vinisud und uns eingelassen haben. Ihr findet auf unserer Website ein paar Bilder der 2. Soul Wine Lounge und wir sind jetzt schon gespannt auf die dritte.
Aber jetzt freuen wir uns erstmal auf einen musikalischen Sommer, der mit viel toller Musik vehement anklopft und von den Sternen am Samstag im Erlanger E-Werk auch live eingeläutet wird. Präsentiert wird euch dieses Konzert natürlich von Bongartz - Musik in allen Formaten. So, nun aber ohne Umschweife zu unseren dieswöchigen Empfehlungen.
beste Grüße und ein musikalisches Wochenende
Peter Bongartz mit Todde Jarks und Andreas Schemm
Gotan Project "Tango 3.0"
Endlich der dritte Streich des Triumvirats
Es war wohl die Angst vor dem schwierigen dritten Album, die uns so lange auf ein echtes neues Gotan Project-Werk warten ließ. Aber gut Ding will ja auch Weile haben und diese hat sich gelohnt. Das Konzept, Tango im neuen Jahrtausend zu spielen, wurde erweitert, neben Buenos Aires pulsiert auf "Tango 3.0" auch New Orleans, Paris und sogar ein bisschen New York. Vom ersten Stück an hören wir Bläser, es gibt Streicher, "El Mensajero" ist das erste Stück ohne Bandoneon und mit Spaghetti-Western-Mundharmonika und auf "Tango Square" macht sogar Dr. John mit seiner Hammond-B3-Orgel die Tür zum Congo Square auf, dem einzigen Platz in New Orleans, an dem es den afrikanischen Sklaven früher erlaubt war Musik zu machen. Der Weg zum Tango war für die drei Köpfe des Gotan Projects - Edurado Makaroff, Philippe Cohen-Solal und Christophe H. Mueller – äußerst unterschiedlich, aber ganz klar haben sie gemeinsames Ziel, an dem sie uns schönerweise mit all den subtilen Stimmungen und Atmosphären teilhaben lassen.
Sophie Hunger "1983"
Nehmt euch Zeit für diese Platte, es lohnt sich!
Irgendwie hatte sie sich zu everybodys darling entwickelt und während der Vorgänger "Monday's Ghost" erstmal einfach erscheinen durfte, sind alle Augen bei "1983" auf Frau Hunger gerichtet. Schwierig, weil beim ersten mal Hören erschließt sich dieses Album nicht. Es wirkt nicht, Sophie Hunger scheint distanziert, als wäre die Platte gar nicht für uns. Aber dann, im zweiten, dritten Durchgang, auf einmal ist sie da: elektrische Sounds, Drumcomputer und allerlei Effekte vermischen sich mit spröder Mundharmonika, sprengenden Beats und angezerrten Chören, Hunger singt deutsch, französisch, schweizerdeutsch und englisch – und trifft einen von hinten mitten ins Herz. Der Albumtitel bezieht sich auf ihr Geburtsjahr und auf ihre Generation. Die kommt nicht gut weg in den neuen Liedern. Die junge Schweizerin ärgert sich über den Hedonismus ihrer Altersgenossen, deren unterentwickeltes Umwel tbewusstsein, die Selbstherrlichkeit. "1983 / Wo sind deine Stimmen / Wo sind deine Ausnahmen, deine Mongoloiden" fragt sie, während die Toms vibrierend nach vorn ziehen und eine Jazz-Trompete leise den Untergang begleitet und bittet: "Bitte sing mir ein Volkslied / Auch wenn es das nicht mehr gibt". Aber vielleicht meint sie das ja gar nicht ernst, "Music is never authentic" steht auf ihrer myspace-Seite und in "Invisible" singt sie "Obama / showbiz / Jesus / showbiz" heißt es da, aber eben auch: "Sophie Hunger / showbiz". Egal, sicher ist: Wenn sie einen mal hat, lässt sie nicht mehr los!
Booka Shade "More!"
Verspielte Dancefloor Grooves - nicht nur für den Club
Es ist wieder Zeit für ein Album, welches sowohl auf den Tanzboden der Clubs fesselt, als auch das heimische Hörorgan in positive Schwingungen versetzt. Nach unzähligen Maxis und Remixen, diversen Shows auf der ganzen Welt und gefeierten Clubgigs beehren uns die beiden in Berlin beheimateten Elektroniktüftler mit dem vierten Studioalbum aus ihrer Soundschmiede. Und die Erwartungen werden zu keiner Zeit enttäuscht. Druckvolle aber nie aufdringliche Beats kuscheln sich in ein Bett wohlgeordneter kleiner Melodiekissen, treffend gesetzte Bleeps und ähnliche kleine Klangfedern tanzen kitzelnd um die Ohren, ohne zu nerven. Das ist anspruchsvolle Clubmusik, die nicht mal ebenso entsteht, sondern hohen kompositorischen Ansprüchen genügt und ein vielseitiges Hörerlebnis bietet. Trotz dieser vermeintlichen Komplexität werden es die Auskopplungen zu Recht wieder in die Plattentaschen der Djs dieser Welt schaffen und die Beine der Tanzwütigen zum Zappeln bringen, wie ein heiterer Blitz aus einem ebensolchen Himmel.
Various "Latin Party"
Wunderbare Latin Party aus dem Hause Putumayo
Der Sommer kommt! Und mit ihm die Zeit für Latin-Musik und so ist das umtriebige Weltmusiklabel Putumayo mit seiner neuen Kompilation "Latin Party" gerade rechtzeitig: Aus drei Kontinenten, von Caracas und Havanna über L.A. und Medellin bis New York, Paris und London haben die Herrschaften äußerst Leckeres eingesammelt und auf diesen wunderbaren Sampler gebracht. Yerba Buena aus New York mit einem Latin-Funk-Hip-Hop-Gebräu zum Beispiel, oder Ska Cubano mit einem Hybrid aus Ska und Son. Aber auch das Erbe der legendären Fania All Stars wird hochgehalten (hier von Luis Mangual) und die Peruanerin Cecilia Noël hat schone eine fast punkige Attitude. Es hilft also nichts, holt die Tanzschuhe raus, fegt die Terrasse und stellt Getränke kalt: Der Sommer kommt!
Mimmo Locasciulli "Idra"
Der besondere Italienurlaub zu Hause
Mimmo Locasciulli macht seit 30 Jahren Musik, hat 17 Alben veröffentlicht und gilt als wichtiges Mitglied der sogenannten "Römer Schule". Dennoch, sein Bekanntheitsgrad in Deutschland ist eher begrenzt, echte Insider kennen ihn eventuell durch seine Zusammenarbeit mit Patent Ochsner. Dabei sind auch die neuen 11 Lieder auf "Idra" wieder dafür prädestiniert einen einfallsreichen Italienurlaub nach Hause zu holen. Der auch als Chirurg in Rom praktizierende Cantautore hat ein hörbares Faible für seine nordamerikanischen Kollegen von Leonard Cohen bis Tom Waits und fügt so dem italienischen Liedgut einen neuen Aspekt hinzu. Natürlich ist hier auch die exzellent spielende Band nicht ganz unbeteiligt: Locasciulli und sein langjähriger Begleiter Greg Cohen am Bass haben mit Marc Ribot, Joey Baron, Stefano De Battista und Gabriele Mirabassi ein für Italien-Platten außergewöhnliches En semble um sich gescharrt, das diese poetischen Meisterstücke perfekt umsetzt und uns tief eintauchen lässt in diese "Elegien auf die Vergänglichkeit".
Edward Elgar - Sol Gabetta "Cello Concerto"
Die charismatische Cellistin überzeugt mit Elgars Cellokonzert
Letzten Sonntag hat sie in der Meistersingerhalle begeistert, aber auch auf CD zieht Sol Gabetta einen in ihren Bann. Auf ihrer neuen CD präsentiert sie eines der wohl berühmtesten Werke für Cello: Edward Elgars legendäres Cellokonzert. Edward Elgar war der erste Komponist, der England nach dem bereits zwei Jahrhunderte zuvor verstorbenen Henry Purcell wieder als bedeutende Musiknation in aller Welt bekannt machte. Vor allem wegen seiner effektvollen Märsche wie den "Pomp and Circumstance" sowie wegen seines Gespürs für das lyrische Melos galt er als "britischer Johannes Brahms". Seine introvertiert-abgetönte Melodielinien finden sich besonders in dem vorliegenden Werk und obwohl es in den Jahren 1918/19 entstand, steht es noch ganz unter dem spätromantischen Einfluss. Sol Gabetta findet in ihrer Einspielung perfekt die Balance zwischen Wärme und Melancholie und überzeugt mit beseelter Intensität. " Leidenschaft , Feuer, Witz und emotionalen Einsatz" attestierte ihr die Süddeutsche Zeitung völlig zu Recht. Die limitierte Erstauflage, die ihr im Moment bei uns natürlich noch erhaltet, beinhaltet zudem eine von Sol Gabetta gern gespielte Zugabe: Die Solopiece »Das Buch« des 1946 geborenen lettischen Komponisten Peteris Vasks.
Was für ein schöner Einstieg in ein Frühlingswochenende war das letzten Samstag. Vielen Dank nochmal an alle, die sich auf dieses spannende Experiment gemeinsam mit vinisud und uns eingelassen haben. Ihr findet auf unserer Website ein paar Bilder der 2. Soul Wine Lounge und wir sind jetzt schon gespannt auf die dritte.
Aber jetzt freuen wir uns erstmal auf einen musikalischen Sommer, der mit viel toller Musik vehement anklopft und von den Sternen am Samstag im Erlanger E-Werk auch live eingeläutet wird. Präsentiert wird euch dieses Konzert natürlich von Bongartz - Musik in allen Formaten. So, nun aber ohne Umschweife zu unseren dieswöchigen Empfehlungen.
beste Grüße und ein musikalisches Wochenende
Peter Bongartz mit Todde Jarks und Andreas Schemm
Gotan Project "Tango 3.0"
Endlich der dritte Streich des Triumvirats
Es war wohl die Angst vor dem schwierigen dritten Album, die uns so lange auf ein echtes neues Gotan Project-Werk warten ließ. Aber gut Ding will ja auch Weile haben und diese hat sich gelohnt. Das Konzept, Tango im neuen Jahrtausend zu spielen, wurde erweitert, neben Buenos Aires pulsiert auf "Tango 3.0" auch New Orleans, Paris und sogar ein bisschen New York. Vom ersten Stück an hören wir Bläser, es gibt Streicher, "El Mensajero" ist das erste Stück ohne Bandoneon und mit Spaghetti-Western-Mundharmonika und auf "Tango Square" macht sogar Dr. John mit seiner Hammond-B3-Orgel die Tür zum Congo Square auf, dem einzigen Platz in New Orleans, an dem es den afrikanischen Sklaven früher erlaubt war Musik zu machen. Der Weg zum Tango war für die drei Köpfe des Gotan Projects - Edurado Makaroff, Philippe Cohen-Solal und Christophe H. Mueller – äußerst unterschiedlich, aber ganz klar haben sie gemeinsames Ziel, an dem sie uns schönerweise mit all den subtilen Stimmungen und Atmosphären teilhaben lassen.
Sophie Hunger "1983"
Nehmt euch Zeit für diese Platte, es lohnt sich!
Irgendwie hatte sie sich zu everybodys darling entwickelt und während der Vorgänger "Monday's Ghost" erstmal einfach erscheinen durfte, sind alle Augen bei "1983" auf Frau Hunger gerichtet. Schwierig, weil beim ersten mal Hören erschließt sich dieses Album nicht. Es wirkt nicht, Sophie Hunger scheint distanziert, als wäre die Platte gar nicht für uns. Aber dann, im zweiten, dritten Durchgang, auf einmal ist sie da: elektrische Sounds, Drumcomputer und allerlei Effekte vermischen sich mit spröder Mundharmonika, sprengenden Beats und angezerrten Chören, Hunger singt deutsch, französisch, schweizerdeutsch und englisch – und trifft einen von hinten mitten ins Herz. Der Albumtitel bezieht sich auf ihr Geburtsjahr und auf ihre Generation. Die kommt nicht gut weg in den neuen Liedern. Die junge Schweizerin ärgert sich über den Hedonismus ihrer Altersgenossen, deren unterentwickeltes Umwel tbewusstsein, die Selbstherrlichkeit. "1983 / Wo sind deine Stimmen / Wo sind deine Ausnahmen, deine Mongoloiden" fragt sie, während die Toms vibrierend nach vorn ziehen und eine Jazz-Trompete leise den Untergang begleitet und bittet: "Bitte sing mir ein Volkslied / Auch wenn es das nicht mehr gibt". Aber vielleicht meint sie das ja gar nicht ernst, "Music is never authentic" steht auf ihrer myspace-Seite und in "Invisible" singt sie "Obama / showbiz / Jesus / showbiz" heißt es da, aber eben auch: "Sophie Hunger / showbiz". Egal, sicher ist: Wenn sie einen mal hat, lässt sie nicht mehr los!
Booka Shade "More!"
Verspielte Dancefloor Grooves - nicht nur für den Club
Es ist wieder Zeit für ein Album, welches sowohl auf den Tanzboden der Clubs fesselt, als auch das heimische Hörorgan in positive Schwingungen versetzt. Nach unzähligen Maxis und Remixen, diversen Shows auf der ganzen Welt und gefeierten Clubgigs beehren uns die beiden in Berlin beheimateten Elektroniktüftler mit dem vierten Studioalbum aus ihrer Soundschmiede. Und die Erwartungen werden zu keiner Zeit enttäuscht. Druckvolle aber nie aufdringliche Beats kuscheln sich in ein Bett wohlgeordneter kleiner Melodiekissen, treffend gesetzte Bleeps und ähnliche kleine Klangfedern tanzen kitzelnd um die Ohren, ohne zu nerven. Das ist anspruchsvolle Clubmusik, die nicht mal ebenso entsteht, sondern hohen kompositorischen Ansprüchen genügt und ein vielseitiges Hörerlebnis bietet. Trotz dieser vermeintlichen Komplexität werden es die Auskopplungen zu Recht wieder in die Plattentaschen der Djs dieser Welt schaffen und die Beine der Tanzwütigen zum Zappeln bringen, wie ein heiterer Blitz aus einem ebensolchen Himmel.
Various "Latin Party"
Wunderbare Latin Party aus dem Hause Putumayo
Der Sommer kommt! Und mit ihm die Zeit für Latin-Musik und so ist das umtriebige Weltmusiklabel Putumayo mit seiner neuen Kompilation "Latin Party" gerade rechtzeitig: Aus drei Kontinenten, von Caracas und Havanna über L.A. und Medellin bis New York, Paris und London haben die Herrschaften äußerst Leckeres eingesammelt und auf diesen wunderbaren Sampler gebracht. Yerba Buena aus New York mit einem Latin-Funk-Hip-Hop-Gebräu zum Beispiel, oder Ska Cubano mit einem Hybrid aus Ska und Son. Aber auch das Erbe der legendären Fania All Stars wird hochgehalten (hier von Luis Mangual) und die Peruanerin Cecilia Noël hat schone eine fast punkige Attitude. Es hilft also nichts, holt die Tanzschuhe raus, fegt die Terrasse und stellt Getränke kalt: Der Sommer kommt!
Mimmo Locasciulli "Idra"
Der besondere Italienurlaub zu Hause
Mimmo Locasciulli macht seit 30 Jahren Musik, hat 17 Alben veröffentlicht und gilt als wichtiges Mitglied der sogenannten "Römer Schule". Dennoch, sein Bekanntheitsgrad in Deutschland ist eher begrenzt, echte Insider kennen ihn eventuell durch seine Zusammenarbeit mit Patent Ochsner. Dabei sind auch die neuen 11 Lieder auf "Idra" wieder dafür prädestiniert einen einfallsreichen Italienurlaub nach Hause zu holen. Der auch als Chirurg in Rom praktizierende Cantautore hat ein hörbares Faible für seine nordamerikanischen Kollegen von Leonard Cohen bis Tom Waits und fügt so dem italienischen Liedgut einen neuen Aspekt hinzu. Natürlich ist hier auch die exzellent spielende Band nicht ganz unbeteiligt: Locasciulli und sein langjähriger Begleiter Greg Cohen am Bass haben mit Marc Ribot, Joey Baron, Stefano De Battista und Gabriele Mirabassi ein für Italien-Platten außergewöhnliches En semble um sich gescharrt, das diese poetischen Meisterstücke perfekt umsetzt und uns tief eintauchen lässt in diese "Elegien auf die Vergänglichkeit".
Edward Elgar - Sol Gabetta "Cello Concerto"
Die charismatische Cellistin überzeugt mit Elgars Cellokonzert
Letzten Sonntag hat sie in der Meistersingerhalle begeistert, aber auch auf CD zieht Sol Gabetta einen in ihren Bann. Auf ihrer neuen CD präsentiert sie eines der wohl berühmtesten Werke für Cello: Edward Elgars legendäres Cellokonzert. Edward Elgar war der erste Komponist, der England nach dem bereits zwei Jahrhunderte zuvor verstorbenen Henry Purcell wieder als bedeutende Musiknation in aller Welt bekannt machte. Vor allem wegen seiner effektvollen Märsche wie den "Pomp and Circumstance" sowie wegen seines Gespürs für das lyrische Melos galt er als "britischer Johannes Brahms". Seine introvertiert-abgetönte Melodielinien finden sich besonders in dem vorliegenden Werk und obwohl es in den Jahren 1918/19 entstand, steht es noch ganz unter dem spätromantischen Einfluss. Sol Gabetta findet in ihrer Einspielung perfekt die Balance zwischen Wärme und Melancholie und überzeugt mit beseelter Intensität. " Leidenschaft , Feuer, Witz und emotionalen Einsatz" attestierte ihr die Süddeutsche Zeitung völlig zu Recht. Die limitierte Erstauflage, die ihr im Moment bei uns natürlich noch erhaltet, beinhaltet zudem eine von Sol Gabetta gern gespielte Zugabe: Die Solopiece »Das Buch« des 1946 geborenen lettischen Komponisten Peteris Vasks.







