01.05.2010 - Die CD-Tipps von Bongartz Musik im April
Liebe Musikfreunde,
mit dem Projekt "Hörstadt Linz" setzt die Stadt Linz ein wunderbares Zeichen gegen Lärm. Etliche Organisationen, Einrichtungen und Geschäfte verzichten auf Hintergrundbeschallung, um so die Lärmbelastung ihrer Mitbürger zu verringern. Aus musikalischer Sicht: Eine tolle Aktion! Musik bleibt ein wertvolles Gut, dessen Wert durch permanentes Gedudel fast unerträglich gemindert wird. Macht mal wieder die Ohren frei und genießt sie mit Absicht, unsere Empfehlungen nachhaltiger Musik. Die für diese Woche findet ihr wie immer direkt anschließend und natürlich auf unserer website.
In diesem Sinne,
beste Grüße und ein musikalisches Wochenende
Peter Bongartz mit Todde Jarks und Andreas Schemm
Broken Social Scene "Forgiveness Rock Record"
Indie-All Star Treffen der Torontoner Scene
Broken Social Scene tragen das "Scene” zurecht in ihrem Namen: Zwar handelt es sich bei dieser Band um ein festes Bandgefüge, gleichzeitig tummeln sich auf allen Platten immer wieder viele Gäste aus befreundeten Bands ihrer Heimatstadt Toronto. Auf dem neuen Album hören wir nun u.a. die Stimmen von Amy Millan (Stars) und Emily Haines (Metric) sowie (Leslie) Feist und Jason Teit (The Weakerthans) und sogar Sam Prekop von The Sea And Cake. Und produziert hat "Forgiveness Rock Record" niemand geringerer als John McEntire von Tortoise. So unterschiedlich wie all diese Namen, sind die Höreindrücke: der Opener "Worldsick" ist eine epische Indie-Rock-Nummer, die auch dem letzten British Sea Power-Album gut gestanden hätte, "Water In Hell" erinnert in seinem charmant, aber treibend rockenden Charme an Pavement, "Texico Bitches" hätten The Cure bestimmt auch gerne geschrieben und die von den Damen der Szene intonierten Songs klingen – wen wundert’s – stark nach den Stars. Aber trotz der unterschiedlichen Ideen und der vielen verschiedenen Sounds eröffnet die Broken Social Scene mit ihrem neuen Album ein erstaunlich homogenes Hörvergnügen und ein Muss für jeden Indie-Rock-Fan und eventuell auch ein geeigneter Einstieg für all diejenigen, die dieser Musik bisher eher skeptisch gegenüberstanden.
Sarah Blasko "As Day Follows Night"
Down Under goes Scandinavia
In ihrer Heimat Australien wird diese Songschreiberin seit Längerem mit Preisen überhäuft - Hierzulande kennt sie kaum wer. Allerdings preschen die Schweden in Person von Björn Yttling (Peter, Björn und John) nach vorne und beweisen ein weiteres Mal ihr außergewöhnlich Gespür für wirklich guten Indiepop mit schöner Stimme. Denn eine schöne Stimme und wundervolle Songideen hat die Vierunddreißigjährige allemal! Manchmal ein wenig melancholisch aber nie trübsinnig, äußerst entspannt, aber nie langweilig entwickelt ihre mittlerweile dritte Platte eine unglaubliche Magie. Der ein oder andere hintergründige Groove lässt sogar Kopf oder/und Fuß mitwippen, obwohl diese CD nicht wirklich für den Tanzboden gemacht ist. Problemlos schafft sie es eine flockig, beschwingte Atmosphäre zu zaubern, die sich gerne an das immer noch (oder vielmehr wieder) moderne 60er Jahre Klanggefühl anlehnt, ohne dabei in den totalen Retrosound zu verfallen. Ein tolles Album, das mich immer mal wieder an Miss Li erinnert, wobei "As Day Follows Night” eindeutig zurückhaltender ist, aber nicht minder charmant.
Willie Nelson "Country Music"
Zum Geburtstag the real stuff
Heute, am 30. April 2010, wird Willie Nelson 77 Jahre alt. Seit beinahe seit 50 Jahren nimmt er Platten auf, gilt als Vater der Outlaw-Bewegung, hat echte Klassiker der Countrymusic wie "Shotgun Willie" oder "Red Headed Stranger" eingespielt und gleichzeitig schon früh die musikalisch engen Grenzen Nashvilles verlassen und mit "Stardust" (1978) oder auch 30 Jahre später mit "Two Men With The Blues" äußerst erfolgreich für Furore gesorgt. Zum Geburtstag nun also "Country Music". "Das ist meine Definition von echter Country Music”, erklärt Nelson diese Zusammenarbeit mit T-Bone Burnett, dessen Zauberhand man den 15 Songs jederzeit anmerkt und der mit u.a. Buddy Miller an der E-Gitarre, Nelsons langjährigem Mitspieler Micky Raphael an der Mundharmonika, Ronnie McCourie an der Mandoline sowie Jim Lauderdale als Background-Sänger eine Band zusammengestellt hat ü ber die Willie Nelson sagt: "Die besten Leute, die man in Nashville auftreiben kann". 15 Songperlen, davon eine Nelson-Komposition und der Rest Handverlesenes von den Real Guys wie Doc Watson, Hank Williams oder auch Ernest Tubb. Ohne Firlefanz, heiter und gelassen im Ton, zeigen Willie und T-Bone Nashville was eine Harke ist, wie großartig Country klingen kann und dass Sentimentalität und Kitsch nichts miteinander zu tun haben. "Country Music" ist das perfekte Album für alle, die durch den Soundtrack von "Crazy Heart" (für dessen Titelsong T-Bone Burnett gerade einen Oskar gewonnen hat) angefixt sind. Für Countryfans ist es sowieso ein Must-Have, denn mit einem Wort: Dieses Album ist ein Meisterwerk!
The Slackers "The Great Rock - Steady Swindle"
Die vielleicht beste weiße Rock-Steady Ska Reggae Band der Welt
Nun schon knappe zwanzig Jahre existiert diese Band aus New York um den Songschreiber, Organist und Hauptsänger Vic Ruggiero, aber von Langeweile oder Muff unter dem Pork Pie keine Spur. Auch das zwölfte Album strotzt nur so vor guten Ideen. Jeder in dieser Band weiß was er zu tun hat, um aus dem sowieso schon genialen Songmaterial ein echtes Highlight zu machen. Der Schlagzeuger schiebt was das Zeug hält, der Bassist hält mit; Gesang und Text regen immer wieder zum Schmunzeln an und über das Gebläse, angeführt von dem unglaublichen Saxophonisten David Hillyard, muss man nur soviel sagen: Wahnsinn! Und wer schonmal in den Genuss kam, diese Band live zu erleben, weiß wovon ich schreibe. Leider werden die sechs dieses mal nur in München (nebst Köln, Berlin und Hamburg) halten, aber wer am 18.05. Zeit hat, sollte sich die Show nicht entgehen lassen! Netterweise funktioniert ihre zugleich wilde, wie entspannte Mischung aus Ska, Rock-Steady, Reggae und Dub auch vorzüglich auf Tonträgern, denn Spielwitz, Lockerheit und Spaß an der Musik strahlen uns auch aus der heimischen Stereoanlage an und machen einfach glücklich
The Hold Steady "Heaven Is Whenever"
Gradliniger Rock auf dem feinen Grad zwischen Indie und Radio
Auf The Hold Steady kann man sich einigen, egal ob man nun vom Indierock kommt oder ob man die Musik Bruce Springsteens mag. Das New Yorker Quintet bietet diesen Kompromiss ganz ohne jenes gefährliche 'Ich weiß nicht was ich will'-Gesicht, im Gegenteil The Hold Steady sind ganz sie selbst. Mit einem gesunden Anteil Wut im Bauch – oder nennen wir es lieber Aufbruchstimmung – spielen sie schnörkellosen Rock. Das Wort "Adult Oriented" klingt immer böse, weil es nach verlebter Jungend riecht, aber hey wir haben das Jahr 2010, man kann mit Rockmusik erwachsen werden. The Hold Steady besitzen all das, was man dazu braucht: Gutes Songwriting, eine wirklich enorme Portion Druck und mit Craig Finn einen äußerst charismatischen Sänger. Nicht viele Bands können sowohl J Mascis (Dinosaur Jr), Doug Gillard (Guided By Voices) und Mick Jagger (Rolling Stones) zu ihren Fans zählen, The Hold Steady können! Boys and Girls in America auch beim fünften Album gilt: This is the next generation.
Liebe Musikfreunde,
mit dem Projekt "Hörstadt Linz" setzt die Stadt Linz ein wunderbares Zeichen gegen Lärm. Etliche Organisationen, Einrichtungen und Geschäfte verzichten auf Hintergrundbeschallung, um so die Lärmbelastung ihrer Mitbürger zu verringern. Aus musikalischer Sicht: Eine tolle Aktion! Musik bleibt ein wertvolles Gut, dessen Wert durch permanentes Gedudel fast unerträglich gemindert wird. Macht mal wieder die Ohren frei und genießt sie mit Absicht, unsere Empfehlungen nachhaltiger Musik. Die für diese Woche findet ihr wie immer direkt anschließend und natürlich auf unserer website.
In diesem Sinne,
beste Grüße und ein musikalisches Wochenende
Peter Bongartz mit Todde Jarks und Andreas Schemm
Broken Social Scene "Forgiveness Rock Record"
Indie-All Star Treffen der Torontoner Scene
Broken Social Scene tragen das "Scene” zurecht in ihrem Namen: Zwar handelt es sich bei dieser Band um ein festes Bandgefüge, gleichzeitig tummeln sich auf allen Platten immer wieder viele Gäste aus befreundeten Bands ihrer Heimatstadt Toronto. Auf dem neuen Album hören wir nun u.a. die Stimmen von Amy Millan (Stars) und Emily Haines (Metric) sowie (Leslie) Feist und Jason Teit (The Weakerthans) und sogar Sam Prekop von The Sea And Cake. Und produziert hat "Forgiveness Rock Record" niemand geringerer als John McEntire von Tortoise. So unterschiedlich wie all diese Namen, sind die Höreindrücke: der Opener "Worldsick" ist eine epische Indie-Rock-Nummer, die auch dem letzten British Sea Power-Album gut gestanden hätte, "Water In Hell" erinnert in seinem charmant, aber treibend rockenden Charme an Pavement, "Texico Bitches" hätten The Cure bestimmt auch gerne geschrieben und die von den Damen der Szene intonierten Songs klingen – wen wundert’s – stark nach den Stars. Aber trotz der unterschiedlichen Ideen und der vielen verschiedenen Sounds eröffnet die Broken Social Scene mit ihrem neuen Album ein erstaunlich homogenes Hörvergnügen und ein Muss für jeden Indie-Rock-Fan und eventuell auch ein geeigneter Einstieg für all diejenigen, die dieser Musik bisher eher skeptisch gegenüberstanden.
Sarah Blasko "As Day Follows Night"
Down Under goes Scandinavia
In ihrer Heimat Australien wird diese Songschreiberin seit Längerem mit Preisen überhäuft - Hierzulande kennt sie kaum wer. Allerdings preschen die Schweden in Person von Björn Yttling (Peter, Björn und John) nach vorne und beweisen ein weiteres Mal ihr außergewöhnlich Gespür für wirklich guten Indiepop mit schöner Stimme. Denn eine schöne Stimme und wundervolle Songideen hat die Vierunddreißigjährige allemal! Manchmal ein wenig melancholisch aber nie trübsinnig, äußerst entspannt, aber nie langweilig entwickelt ihre mittlerweile dritte Platte eine unglaubliche Magie. Der ein oder andere hintergründige Groove lässt sogar Kopf oder/und Fuß mitwippen, obwohl diese CD nicht wirklich für den Tanzboden gemacht ist. Problemlos schafft sie es eine flockig, beschwingte Atmosphäre zu zaubern, die sich gerne an das immer noch (oder vielmehr wieder) moderne 60er Jahre Klanggefühl anlehnt, ohne dabei in den totalen Retrosound zu verfallen. Ein tolles Album, das mich immer mal wieder an Miss Li erinnert, wobei "As Day Follows Night” eindeutig zurückhaltender ist, aber nicht minder charmant.
Willie Nelson "Country Music"
Zum Geburtstag the real stuff
Heute, am 30. April 2010, wird Willie Nelson 77 Jahre alt. Seit beinahe seit 50 Jahren nimmt er Platten auf, gilt als Vater der Outlaw-Bewegung, hat echte Klassiker der Countrymusic wie "Shotgun Willie" oder "Red Headed Stranger" eingespielt und gleichzeitig schon früh die musikalisch engen Grenzen Nashvilles verlassen und mit "Stardust" (1978) oder auch 30 Jahre später mit "Two Men With The Blues" äußerst erfolgreich für Furore gesorgt. Zum Geburtstag nun also "Country Music". "Das ist meine Definition von echter Country Music”, erklärt Nelson diese Zusammenarbeit mit T-Bone Burnett, dessen Zauberhand man den 15 Songs jederzeit anmerkt und der mit u.a. Buddy Miller an der E-Gitarre, Nelsons langjährigem Mitspieler Micky Raphael an der Mundharmonika, Ronnie McCourie an der Mandoline sowie Jim Lauderdale als Background-Sänger eine Band zusammengestellt hat ü ber die Willie Nelson sagt: "Die besten Leute, die man in Nashville auftreiben kann". 15 Songperlen, davon eine Nelson-Komposition und der Rest Handverlesenes von den Real Guys wie Doc Watson, Hank Williams oder auch Ernest Tubb. Ohne Firlefanz, heiter und gelassen im Ton, zeigen Willie und T-Bone Nashville was eine Harke ist, wie großartig Country klingen kann und dass Sentimentalität und Kitsch nichts miteinander zu tun haben. "Country Music" ist das perfekte Album für alle, die durch den Soundtrack von "Crazy Heart" (für dessen Titelsong T-Bone Burnett gerade einen Oskar gewonnen hat) angefixt sind. Für Countryfans ist es sowieso ein Must-Have, denn mit einem Wort: Dieses Album ist ein Meisterwerk!
The Slackers "The Great Rock - Steady Swindle"
Die vielleicht beste weiße Rock-Steady Ska Reggae Band der Welt
Nun schon knappe zwanzig Jahre existiert diese Band aus New York um den Songschreiber, Organist und Hauptsänger Vic Ruggiero, aber von Langeweile oder Muff unter dem Pork Pie keine Spur. Auch das zwölfte Album strotzt nur so vor guten Ideen. Jeder in dieser Band weiß was er zu tun hat, um aus dem sowieso schon genialen Songmaterial ein echtes Highlight zu machen. Der Schlagzeuger schiebt was das Zeug hält, der Bassist hält mit; Gesang und Text regen immer wieder zum Schmunzeln an und über das Gebläse, angeführt von dem unglaublichen Saxophonisten David Hillyard, muss man nur soviel sagen: Wahnsinn! Und wer schonmal in den Genuss kam, diese Band live zu erleben, weiß wovon ich schreibe. Leider werden die sechs dieses mal nur in München (nebst Köln, Berlin und Hamburg) halten, aber wer am 18.05. Zeit hat, sollte sich die Show nicht entgehen lassen! Netterweise funktioniert ihre zugleich wilde, wie entspannte Mischung aus Ska, Rock-Steady, Reggae und Dub auch vorzüglich auf Tonträgern, denn Spielwitz, Lockerheit und Spaß an der Musik strahlen uns auch aus der heimischen Stereoanlage an und machen einfach glücklich
The Hold Steady "Heaven Is Whenever"
Gradliniger Rock auf dem feinen Grad zwischen Indie und Radio
Auf The Hold Steady kann man sich einigen, egal ob man nun vom Indierock kommt oder ob man die Musik Bruce Springsteens mag. Das New Yorker Quintet bietet diesen Kompromiss ganz ohne jenes gefährliche 'Ich weiß nicht was ich will'-Gesicht, im Gegenteil The Hold Steady sind ganz sie selbst. Mit einem gesunden Anteil Wut im Bauch – oder nennen wir es lieber Aufbruchstimmung – spielen sie schnörkellosen Rock. Das Wort "Adult Oriented" klingt immer böse, weil es nach verlebter Jungend riecht, aber hey wir haben das Jahr 2010, man kann mit Rockmusik erwachsen werden. The Hold Steady besitzen all das, was man dazu braucht: Gutes Songwriting, eine wirklich enorme Portion Druck und mit Craig Finn einen äußerst charismatischen Sänger. Nicht viele Bands können sowohl J Mascis (Dinosaur Jr), Doug Gillard (Guided By Voices) und Mick Jagger (Rolling Stones) zu ihren Fans zählen, The Hold Steady können! Boys and Girls in America auch beim fünften Album gilt: This is the next generation.







